3 Days of Design 2026: Eindrücke unseres Interior Design Teams
Kopenhagen zeigt sich im Juni als offener Raum für Gestaltung. Zwischen Wasser, Innenhöfen und klarer Architektur entsteht während der 3 Days of Design ein dichtes Gefüge aus Eindrücken – oft leise, zurückhaltend und im direkten Bezug zur Stadt.
Viele Präsentationen erschließen sich nicht auf den ersten Blick, sondern im Gehen: von Showroom zu Showroom, durch historische Gebäude, entlang kurzer Wege. Design wird hier nicht als isoliertes Objekt gezeigt, sondern als Teil eines größeren räumlichen Zusammenhangs.
Unser Interior Design Team hat sich 2026 bewusst in genau diesem Kontext bewegt – zwischen Showrooms und Ausstellungen, die jeweils eigene Perspektiven auf Raum, Material und Nutzung eröffnen.
Zwischen Showrooms und Ausstellungen: Beobachtungen im Detail
Ein zentraler Ausgangspunkt war die kurierte Gruppenausstellung FRAMING im Odd Fellow Palace. Hier treffen über 40 internationale Marken aufeinander und werden nicht einzeln, sondern in einem gemeinsamen räumlichen Narrativ gezeigt. Das Ergebnis ist kein klassischer Markenauftritt, sondern eine dichte, vielschichtige Umgebung, in der unterschiedliche Ansätze parallel existieren und sich gegenseitig kommentieren.
Ähnlich kontextbezogen arbeitet Kvadrat: Textile Materialien werden hier nicht nur präsentiert, sondern in eine immersive Installation übersetzt. Licht, Farbe und Bewegung greifen ineinander und rücken den Raum selbst in den Mittelpunkt.
Auch Fredericia greift diesen Gedanken auf und spannt bewusst einen Bogen zwischen Archiv und Gegenwart. Die Ausstellung verbindet historische Entwürfe mit aktuellen Entwicklungen und macht sichtbar, wie Kontinuität als gestalterische Haltung wirkt.
Vitra & Artek: Gestaltung zwischen Material, Bewegung und Haltung
Im Showroom von Vitra & Artek wird besonders deutlich, wie stark sich Design aktuell vom reinen Objektverständnis entfernt. Im Zentrum steht u. a. der neue Lounge Chair Bascule, entwickelt mit dem Berliner Studio Œ. Auffällig ist weniger die Form als vielmehr das Zusammenspiel aus Material, Bewegung und Nutzung:
- Eine textile Hülle liegt lose über der Konstruktion und reagiert sichtbar auf jede Bewegung – ähnlich einem Kleidungsstück, das den Körper begleitet.
- Unterhalb dieser weichen Oberfläche arbeitet eine neue Mechanik, die sich automatisch an das Gewicht des Nutzers anpasst und fließende Übergänge zwischen Sitzen und Liegen ermöglicht.
- Gleichzeitig folgt der Entwurf einem konsequenten Materialgedanken: Einzelteile sind trennbar, der Bezug austauschbar und reparierbar – Konstruktion und Oberfläche bleiben bewusst lesbar.
Damit wird der Stuhl weniger als fertiges Produkt verstanden, sondern als offenes System aus Bewegung, Material und Nutzung. Gestaltung zeigt sich hier nicht in einem statischen Zustand, sondern im Gebrauch.
Parallel dazu stehen überarbeitete Klassiker – etwa von Verner Panton – die in neuen Materialien und Farbwelten weitergedacht werden. Vergangenheit und Gegenwart werden nicht getrennt, sondern bewusst miteinander verbunden.
Räume, die erlebt werden müssen
Was viele Showrooms verbindet, ist der Ansatz, Gestaltung nicht zu erklären, sondern erfahrbar zu machen.
Bei Muuto wird das besonders deutlich: Eine mehrgeschossige Installation verbindet Produktneuheiten mit einer sensorischen Inszenierung aus Licht, Sound und Material. Räume werden hier bewusst als Erlebnis konzipiert, nicht als reine Präsentationsfläche.
Auch GUBI arbeitet mit ähnlichen Prinzipien – jedoch mit einem stärkeren Fokus auf Atmosphäre und Nutzung im Alltag. Die gezeigten Räume wirken vertraut und zugänglich, fast wohnlich, ohne dabei beliebig zu sein. Unterschiedliche Szenarien verbinden Materialien, Texturen und Epochen zu stimmigen Gesamtbildern, in denen Produkte weniger im Mittelpunkt stehen als das räumliche Gefühl.
In Gruppensettings oder innerhalb von FRAMING treten Marken wie String Furniture oder Lapalma weniger als einzelne Akteure auf, sondern als Teil eines größeren Systems. Modularität und Struktur werden sichtbar, ohne sich formal in den Vordergrund zu drängen – sie wirken selbstverständlich im Kontext.
Material, Licht und Bedeutung
Neben den Showrooms rückt auch die inhaltliche Auseinandersetzung mit Material und Wirkung stärker in den Vordergrund.
Ausstellungen wie „Resurgences – French Design“ im Thott Palace setzen bewusst einen anderen Akzent. Hier wird Designgeschichte in einen Dialog mit der Gegenwart gebracht: Ikonische Entwürfe des 20. Jahrhunderts werden neu interpretiert und im architektonischen Kontext inszeniert. Dabei entsteht kein nostalgischer Blick zurück, sondern ein Verständnis von Gestaltung als kontinuierliche Entwicklung.
Parallel dazu zeigen Marken wie VIBIA oder Luceplan, wie Licht als eigenständige Gestaltungsebene funktioniert. Es tritt nicht als Produkt in Erscheinung, sondern als präzises Mittel, das Raum strukturiert, Übergänge definiert und Atmosphäre erzeugt.
Der Ort als Teil der Gestaltung
Besonders deutlich wird die Rolle des Kontexts in kulturellen Institutionen.
Im Designmuseum Danmark verschiebt sich der Fokus nochmals: Ausstellungen, Talks und Installationen greifen ineinander und stellen grundsätzliche Fragen zu Gestaltung, Verantwortung und Zukunft. Das Museum wird dabei selbst zur Plattform für Austausch und Reflexion – weniger Ausstellungsort als vielmehr ein offenes Gefüge aus Diskurs, Begegnung und räumlicher Erfahrung.
Zentraler Bezugspunkt ist die Installation „The Umbrico Spiral“ von Henrik Vibskov – ein großmaßstäblicher, skulpturaler Pavillon im Museumsgarten, der zugleich Treffpunkt, Bühne und räumliche Intervention ist. Mit seinen bewegten, spiralförmigen Elementen entsteht ein Raum, der nicht statisch wirkt, sondern sich über Nutzung und Bewegung immer wieder neu definiert. Die Installation funktioniert nicht als Ausstellung im klassischen Sinne, sondern als genutzter Raum. Gespräche, Begegnungen und Veranstaltungen werden Teil der Gestaltung – Nutzung und Inszenierung fallen hier bewusst zusammen.
Was bedeutet das für die Arbeitswelt?
Die Beobachtungen aus Kopenhagen zeigen weniger neue Trends als vielmehr eine Verschiebung im Verständnis von Raum – und genau daraus ergeben sich relevante Impulse für die Gestaltung von Arbeitsumgebungen. Räume werden nicht mehr primär über ihre Funktion definiert, sondern über ihr Zusammenspiel aus Material, Licht und Atmosphäre. Arbeitsbereiche verlieren an klarer Abgrenzung, Übergänge werden fließender, Nutzungen offener. Gleichzeitig steigt der Anspruch an Orientierung – nicht durch Trennung, sondern durch Gestaltung.
Das zeigt sich auf mehreren Ebenen:
- Materialität wird zum Orientierungselement: Materialien prägen, wie ein Raum gelesen und intuitiv verstanden wird.
- Atmosphäre ersetzt Hierarchie: Räume unterscheiden sich weniger über Funktion, sondern über Wirkung und Charakter.
- Der Raum wird als zusammenhängendes System verstanden: Einzelentscheidungen – etwa zu Material oder Möblierung – lassen sich nicht isoliert betrachten, sondern wirken immer im Gesamtgefüge.
Gerade in Arbeitswelten bedeutet das: weniger Inszenierung, mehr Präzision. Weniger einzelne Highlights, dafür ein konsistentes Zusammenspiel aller Ebenen.
Was bleibt: Gestaltung als Haltung
Die 3 Days of Design 2026 verdeutlichen eine Entwicklung, die auch für Arbeitswelten relevant ist: Gestaltung wird weniger über Einzelobjekte definiert als über ihr Zusammenspiel im Raum.
Nicht: Was wird gestaltet?
Sondern: Wie wirkt Gestaltung im Raum?
Gute Gestaltung entsteht dabei zunehmend im Kontext – im Zusammenspiel von Raumstruktur, Nutzung und einer klaren gestalterischen Haltung. Genau hier zeigen Formate wie die 3 Days of Design ihre Stärke: als offener Rahmen, in dem neue Ansätze oft früher sichtbar werden als in klassischen Präsentationsformaten.
Für uns bedeutet das, Planung konsequent ganzheitlich zu denken – als Abstimmung von Nutzung, räumlicher Struktur und Atmosphäre. Mit dem Ziel, Arbeitswelten zu schaffen, die nicht nur funktional sind, sondern sich klar lesen lassen, Orientierung bieten und langfristig tragfähig bleiben.
Die Eindrücke aus Kopenhagen bestätigen dabei einen Ansatz, der auch für unsere Projekte immer relevanter wird: Gestaltung entfaltet ihre Qualität nicht im Einzelnen, sondern im Zusammenspiel.