Salone del Mobile 2026: Einblicke unseres Interior Design Teams

Auch 2026 war Mailand im April wieder Mittelpunkt der internationalen Designszene. Während der Salone del Mobile traditionell auf dem Messegelände in Rho stattfindet, verteilt sich ein großer Teil der Impulse inzwischen über die gesamte Stadt – im Rahmen des Fuorisalone.

Unser Interior Design Team war in diesem Jahr vor Ort in Mailand unterwegs und hat gezielt die Side Events besucht – eine bewusste Entscheidung, die sich als sehr wertvoll erwiesen hat. Gerade außerhalb der klassischen Messehallen zeigt sich, wie sich Design aktuell entwickelt: experimenteller, kontextbezogener und oft näher am realen Leben.

 

Mailand als Bühne für Design

Während der Salone-Woche wird Mailand zur offenen Ausstellungsfläche. Showrooms, Innenhöfe, historische Gebäude und temporäre Installationen verschmelzen zu einem dichten Netzwerk aus Eindrücken. Viele Marken und Studios nutzen diese Plattform gezielt, um neue Ideen in einem freieren Umfeld zu präsentieren. Statt klassischer Produktinszenierungen stehen zunehmend ganzheitliche Konzepte im Fokus: Räume werden als Narrative gedacht, Materialien als Ausdruck von Haltung, und Gestaltung als Teil gesellschaftlicher Fragestellungen.

Für unser Team bedeutete das: weniger klassische Produktrecherche, dafür mehr Inspiration im Kontext – von neuen Arbeitsweisen bis hin zu veränderten Anforderungen an Räume.

 

Trends 2026: Material, Atmosphäre und Haltung

Die Beobachtungen aus den Side Events zeichnen ein klares Bild: Design entfernt sich zunehmend vom isolierten Einzelobjekt und entwickelt sich hin zu einem ganzheitlichen Verständnis von Raum – als Zusammenspiel aus Material, Wirkung und Nutzung.

Natürliche Materialien und Authentizität

Holz, Stein, Textilien und recycelte Materialien wurden in vielen Installationen bewusst roh und unverfälscht eingesetzt. Oberflächen zeigen Struktur, Unregelmäßigkeit und Alterung. Perfektion tritt in den Hintergrund – entscheidend ist die haptische Qualität und die glaubwürdige Wirkung im Raum.

 

 

Gedämpfte Farbwelten und Tiefe

Statt starker Kontraste dominieren ruhige, erdige Töne. Farbkonzepte wirken geschichtet und zurückhaltend, entfalten aber gerade dadurch eine hohe räumliche Tiefe. Atmosphäre entsteht weniger durch einzelne Akzente als durch das Zusammenspiel nuancierter Farbräume.

 

 

Chrom, Metall und präzise Oberflächen

Parallel dazu zeigt sich ein bewusster Kontrast: glänzende Materialien wie Chrom, Edelstahl oder Aluminium setzen gezielte Highlights. Sie reflektieren Licht, strukturieren Räume und bringen eine präzise, fast technische Klarheit in weich inszenierte Umgebungen.

 

 

Organische Formen und weiche Linien

Mobiliar und Raumstrukturen lösen sich zunehmend von strengen Geometrien. Runde, fließende Formen prägen viele Konzepte und schaffen eine zugänglichere, weniger formale Raumwirkung. Sie tragen dazu bei, Übergänge zu gestalten und Bereiche intuitiv erfahrbar zu machen.

 

 

Design als Erlebnis

Viele Installationen sind weniger klassische Präsentation als räumliche Inszenierung. Licht, Klang und Bewegung werden gezielt eingesetzt, um Atmosphäre zu erzeugen und Räume ganzheitlich erlebbar zu machen. Design wird stärker emotional und immersiv gedacht.

 

 

Flexibilität und Nutzung im Fokus

Räume werden nicht mehr eindeutig definiert, sondern bewusst offen gehalten. Multifunktionale Lösungen, modulare Systeme und informelle Nutzungsmöglichkeiten spiegeln die Anforderungen dynamischer Arbeits- und Lebenswelten wider. Mit dem Ziel, unterschiedliche Bedürfnisse parallel zu ermöglichen.

 

 

Was bedeutet das für die Arbeitswelt?

Auch wenn viele der gezeigten Konzepte ihren Ursprung im Wohn- oder Hospitality-Bereich haben, lassen sich daraus klare Rückschlüsse für die Gestaltung von Arbeitsumgebungen ziehen. Die Entwicklungen zeigen, wie stark sich die Anforderungen an Räume in den letzten Jahren verändert haben – weg von klar getrennten Funktionen, hin zu fließenden Übergängen zwischen Arbeiten, Austausch und Rückzug.

Arbeitswelten müssen heute unterschiedliche Nutzungsformen gleichzeitig ermöglichen und dabei dennoch strukturiert und verständlich bleiben. Orientierung wird damit zu einer zentralen gestalterischen Aufgabe. Materialien, Lichtführung und akustische Qualität spielen eine entscheidende Rolle, da sie nicht nur funktionale Anforderungen erfüllen, sondern maßgeblich beeinflussen, wie konzentriert, effizient und angenehm gearbeitet werden kann.

Auffällig ist außerdem, dass der Anspruch an Räume zunehmend emotional geprägt ist. Neben der reinen Funktion gewinnen Aspekte wie Atmosphäre, Identität und Wiedererkennbarkeit an Bedeutung. Räume sollen nicht nur funktionieren, sondern Haltung vermitteln, Zugehörigkeit stärken und dem Nutzer eine klare räumliche Orientierung bieten.

Für die Planung von Arbeitswelten bedeutet das: Gestaltung wird ganzheitlicher gedacht – als Zusammenspiel aus Funktion, Raumgefühl und kulturellem Kontext.

 

Was bleibt: Perspektiven für Gestaltung

Die gesammelten Eindrücke zeigen deutlich, wie stark die gestalterischen Entwicklungen rund um den Salone inzwischen auch außerhalb des Messegeländes entstehen. Die Side Events in Mailand bieten dabei einen offenen, experimentellen Rahmen, in dem neue Ansätze, Materialien und Raumkonzepte oft früher sichtbar werden.

Für uns verdichtet sich daraus ein klares Bild: Gute Gestaltung geht über einzelne Produkte hinaus. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Raumstruktur, Nutzung und einer klaren gestalterischen Haltung, die Orientierung schafft und Identität stiftet.

Diese Impulse fließen direkt in unsere Arbeit ein. Unser Anspruch bleibt, Arbeitswelten zu entwickeln, die funktional durchdacht sind und zugleich eine hohe räumliche Qualität bieten – als Grundlage für produktives Arbeiten, Austausch und langfristige Nutzung.

 

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